Merli-Sieg nach Hin-Führung bei Wetterchaos in Spanien
FITO (pw) Nachdem Kaiserwetter vor zwei Wochen beim Großen Bergpreis von Österreich für beste Bedingungen gesorgt hatte, beeinträchtigte die wechselhafte Witterung in der spanischen Provinz Asturien den zweiten Lauf zur Europa-Bergmeisterschaft 2026, die Subida al Fito. Schon die drei Trainingsläufe à 5,35 km gaben einen Vorgeschmack auf die schwierigen Verhältnisse, die am Renntag zu erwarten warten. Leider wurden sie dem Führenden in der Tourenwagenwertung schon im ersten Rennlauf zum Verhängnis.
Ronnie Bratschi rutschte mit seinem zuletzt am Rechberg zur neuen Rekordzeit getriebenen Mitsubishi Evo 7 RS von der Strecke in die Leitplanke und beschädigte dabei den linken Vorderwagen samt Aufhängung vehement. «Leider kann so etwas passieren. Bis dorthin hat es gut gepasst, es hat vielleicht nur ein halber Meter gefehlt», kommentierte der mit tschechischer Lizenz startende Schweizer seine diesmal schief gegangene Gratwanderung mit dem Turbo-Allradgeschoss. Anstatt direkt weiter nach Portugal zu reisen, trat er am Sonntag unverrichteter Dinge die Heimreise nach Altdorf im Kanton Uri an. «Ich werde den Schaden erst daheim genau untersuchen und danach entscheiden, wie es weitergeht. Die EM 2026 ist nun für mich sowieso schon gelaufen.» Im besten Fall bestreitet Bratschi nach einer bestimmt aufwändigen Reparatur im Sommer noch ein paar ausgewählte Bergrennen, ansonsten aus Kostengründen gar keine mehr. Schade, aber so ist halt der Rennsport, das weiß auch er als Vollgastier.
Nach dem Ausscheiden des klar Trainingsschnellsten bestand die Topgruppe 1 in der Kategorie 1 nur noch aus Reto Meisel im Mercedes SLK340 Judd, Niki Zlatkov im Audi S1 Quattro Pikes Peak und dem Spanier Fombona in einem Ex-DTM-Audi RS5. Der unmittelbar vor Bratschi gestartete Meisel, der auf dieser eher einer Rallye-Bergprüfung ähnlichen Strecke ebenfalls schon Lehrgeld gezahlt hatte, machte seine Sache mit dem Hecktriebler bestens und gewann seine Gruppe vor dem für Österreich startenden Bulgaren. Noch schneller als Meisel war allerdings «Hausherr» Xavier Villa, der seinen BRC 110T aus der Gruppe 2 – einer spanischen Konstruktion mit Alpine-Silhouette und Honda-Turbomotor – zum ersten TW-Gesamtsieg trieb. Villa war 2021 und 2022 mit einem BRC-Prototyp sogar schon Gesamtzweiter hinter Europameister Christian Merli. Als Zweitschnellster aus der Gruppe 2 war Rechberg-Sieger Kevin Raith im Porsche GT3 der drittbeste Tourenwagenpilot in Spanien.
Dramatisch verlief auch die Entscheidung bei den Prototypen der Kategorie 2. Nach dem ersten Lauf auf teilweise feuchter Unterlage führte überraschend Alexander Hin mit einer um 131 Tausendstel schnelleren Zeit als sein Teamchef Christian Merli (beide Nova Proto NP01 Mader-Cosworth V8), wobei diese mit 2’41,875 weit über dem bestehenden Streckenrekord von Merli (2’25,425 im Osella FA30 im 2018) lag. Bei bereits wieder nasseren Bedingungen im zweiten Lauf drehte der Titelverteidiger den Spiess mit einer gegenüber zuvor um über 14 Sekunden langsameren Bestzeit vor Kevin Petit (F), Vorjahressieger Joseba Iraola (beide NP01 Emap Turbo) und Hin wieder um. In der Addition lag nun Merli vor Hin, Iraola und Petit. Letztere hatten das Pech gehabt, ihren 1. RL bei entsetztem Regen kurz vor dem Ziel beenden zu müssen.
Weil kurz nach Beginn des dritten Laufs um 16 Uhr herum ein Wolkenbruch und Hagel für den vorzeitigen Abbruch sorgte, blieb es bei dieser Reihenfolge. Merli baut mit seinem sechsten Triumph in Fito und dem zweiten Saisonsieg nach Rechberg die Tabellenspitze mithilfe seines deutschen Teamkollegen (der Petit und Iraola Punkte wegnahm) leicht aus. Für Alex Hin, dessen Mut und Fahrkönnen unbestritten sind, ist P2 ein sehr schöner und verdienter Erfolg, zumal der Süd-Schwarzwälder den neuen Sportwagen noch nicht so gut kennt wie die anderen EM-Mitstreiter. Weniger Glück hatte Petr Trnka mit seinem neuen Turbosportwagen, an dem im ersten Lauf die Hinterachse kollabierte, was zu einem Unfall mit glücklicherweise keinen Folgen für den Tschechen sorgte. Wie Bratschi fährt Trnka für das Liqui Moly Racing Team, für das es nur mit dem Sieg von Marek Rybnicek im Skoda Fabia RS in der Gruppe 3 etwas zu feiern gab. Next Stopp: Rampa da Falperra in Braga (Portugal) am nächsten Wochenende (16.-17. Mai).
von Peter Wyss
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