Bergrennen in Deutschland

Gelungene Wiederaufnahme des Rennbetriebs – Berg-Asse vorne

FELL-THOMM (mb) Motorsportlich herrschte auf der Kreisstraße K82 zwischen Fell und Thomm lediglich in den Jahren 2023 und 2024 Ruhe. In dieser Zeit wurde die Strecke umfassend saniert – und das Ergebnis darf durchaus als gelungen bezeichnet werden. Zumindest die eine oder andere Histo-Rallye hatte die ehemalige Bergrennstrecke immer mal wieder in gemächlichem Tempo benutzt. Die legendären EBM-Läufe des Racing Teams Triers sowie wie die WPs (talwärts) der Rally Deutschland sind dagegen schon lange motorsportliche Zeigeschichte.

Das hat sich am letzten Mai-Wochenende geändert. Der Veranstalter MSV Osann-Monzel hat die 63. und 64. Auflagen seiner Renn-Slalom-DM-Läufe vom Bitburger Flugplatz auf den Berg zwischen Fell und Thomm verlegt. Das bedingte notgedungen einen erheblich höheren Aufwand an Organisation und Manpower, was mit Bravour gemeistert wurde. Neben der neuen Asphaltdecke mit angeschrägten Randstanden (aber keine klassischen Kerbs) wurden an der K82 auch die Doppelleitplanken insbesondere in den Kurven im Vergleich zu früher deutlich verlängert. Genutzt wurde nicht die ganze 3,715 km lange ehemalige Strecke, sondern eine ca. 3 km lange Variante, die auf den letzten oberen Teil verzichtete. Die wenigen aufgestellten Pylonen erhöhten den fahrerischen Reiz und waren am Sonntag letztlich entscheidend für den Gesamtsieg. Wie bei Slaloms üblich, fanden alle drei Läufe (ein Training und zwei Wertungsläufe) hintereinander statt.

Am Samstag bei Kaiserwetter und recht hohen Temperaturen lief es völlig rund, der Zuschauerhang im Bereich der ehemaligen Bilstein-Kurve (heute BAT-Motorsport-Kurve) war gut gefüllt und den zahlreichen Fans wurde richtig gutes und spannendes Racing geboten. Dies bei einem Eintrittspreis von lediglich 3 Euro! Am Ende siegte Patrick Orth (Porsche 997 GT3) vor dem BMW 2002-Piloten Norbert Wimmer und Florian Bodin auf einem Porsche 996 GT2. Der letztjährige Deutsche Bergmeister und Lokalmatador vom Veranstalterclub holte sich bei nicht nur den Tagessieg, sondern stellte mit 1:32,59 auch den ersten offiziellen Streckenrekord auf.  

Am Sonntag war es deutlich kühler und teilweise bedeckt. Diesmal musste der Vortagesgesamtsieger die Klasse wechseln. Statt in der H15 startete er nun in der Freestyle-Klasse (FS). Der Heckflügel an seinem Porsche 997 GT3 war von den Sportkommissaren beanstandet worden. Ebenso am Pendant von Albert Vogt, der ebenfalls die Klasse hatte wechseln müssen.  Nach gut einer Stunde zog ein Gewitter auf, das für eine kurze Unterbrechung bei den Serienklassen sorgte. Der nasse Spuk war schnell vorbei und es ging weiter. Bis zum allerletzten Durchgang lief es völlig problemlos. Doch der Lauf mit nur noch sieben Startern hatte es dann in sich. Die erste Starterin Lara Flik strandete in ihren BMW E36 Compact mit lauten Rumps in die Planken der zweiten Kehre. Dann rutschte Philipp Plein mit seinem Polo am Ende der Strecke ins Aus. Wieder gab es eine längere Unterbrechung.

Orth brannte gleich zwei 1:30er Läufe in den Asphalt, leistete sich jedoch in jedem Durchgang einen Pylonenfehler und fing sich damit insgesamt sechs Strafsekunden ein. Somit ergab es sich, dass er und Bodin mit 3:07,40 exakt die gleiche Zeit hatten, aber Bodin – da er alles fehlerlos gefahren war – zum Sieger gekürt wurde. Das Podium vervollständigte Wimmer mit seinem 02er BMW. An beiden Tagen beste Dame war – ganz der „schnellen“ Familientradition folgend – Tammy Schönborn im altbewährte roten Golf 1.

Zuschauer, Fahrer und Veranstalter – kurzum alle – waren mit der erfolgreichen Premiere hochzufrieden. So schön der Bergrenn-Slalom auch war, wünscht der Chronist dem Veranstalter-Club viel Erfolg bei seinen Bemühungen künftig ein Bergrennen „ohne Hütchen“ an den Start zu bringen.  

In vier Wochen geht es übrigens an gleicher Stelle weiter mit dem „Historischen Bergrennen Fell-Thom“. Dann auf der gesamten Strecke, jedoch als Gleichmäßigkeit-Veranstaltung und nicht als Rennen auf Zeit.

von Martin Berrang