Bergrennen in Deutschland

Berg EM Ascoli-Piceno (ITA): Die Rechnung ging in Flammen auf

ASCOLI (wyss) Bei der zum 65. Mal seit 1962 ausgetragenen Coppa Paolina Teodori in Ascoli Piceno spielten wie erwartet die Italiener ihre Erfahrung auf der 5034 Meter langen Strecke von Colle San Marco auf die Passhöhe San Giacomo aus. Nach dem Training führte die alleinige Osella-Speerspitze Luigi Fazzino die Zeitenliste noch knapp vor den beiden Multichampions Simone Faggioli und Christian Merli in ihren Nova Proto an, alle drei innerhalb von 0,25 Sekunden.

Im ersten Rennlauf bei brütender Hitze legte Faggioli dann mit 2:11,8 eine überlegene Bestzeit vor, die um über 2 sec. und mehr schneller war als die Zeiten der weiteren Italiener aus der Super-Salita-Meisterschaft. Erst auf Gesamtrang 7 folgte Merli als schnellster EM-Pilot, was einmal mehr das Handikap der in ihrer Performance gedrosselten EM-Sportprototypen gegenüber der Spitze von Landesmeisterschaften wie Italien und der Schweiz zeigt.

Den zweiten Durchgang entschied der elffache Europameister Faggioli mit einer noch etwas besseren 2:11er-Zeit abermals für sich, in der Addition behielt der Bergrennprofi aus Florenz somit klar die Oberhand, sein 15. Tagessieg in Ascoli Piceno seit 2002. Im EM-Klassement lag Merli nach dem 1. RL nur um 14 Hundertstel vor Joseba Iraola Lanzacorta und 31 vor Kevin Petit, beide in NP01-Emap-Turbos. Im schnelleren zweiten Durchgang erzielte der Spanier dann die Bestzeit knapp vor Merli, musste sich in der Addition aber um läppische 43 Tausendstel geschlagen geben! Nur 1,28 sec. zurück holte der Franzose Kevin Petit den dritten Rang.

Merlis Kunde und Teamkollege Alexander Hin (Deutschland) hatte im 1. Trainingslauf einen leichten und glücklich überstandenen Unfall („ich verwechselte zwei Kurven…“), behielt jedoch die Nerven und wurde am Renntag respektabler Vierter vor dem Tschechen Petr Trnka.

Mit 5 Siegen in 6 Rennen bleibt Merli in der EM-Tabelle mit 140 Pt. vor Proto2-Sieger „O’Play“ (129) und Iraola (103).
Bei den Tourenwagen fiel die Vorentscheidung schon im ersten Rennlauf, als der BRC 110 Turbo von Xavier Villa auf dem Weg zur möglichen Rekord-Bestzeit im Heckbereich in Flammen aufging. Erst am späten Freitagabend kam aus, dass das Auto dank einer geringfügigen Änderung ohne Leistungsvorteil von der Gruppe 2 in die Königsklasse umgeteilt wird. Villas Absicht: Gruppe-1-Leader und EM-Tabellenführer Reto Meisel direkt schlagen und so Punkte wegnehmen. Die Rechnung ging für den schnellen Spanier nicht auf, nachdem seine Trainingsbestzeit nur um zwei Sekunden über der Rekordzeit von Ronnie Bratschi vom EM-Lauf 2023 lag. Während Villas Rückkehr aufgrund des erheblichen Brandschadens ungewiss ist, plant sie Bratschi für den nächsten EM-Lauf in Polen und 4 Wochen.

Als zweites Auto mit einer Laufwiederholung überstand auch der Mitsubishi des Kroaten Domagoj Perekovič die Hitzeschlacht nicht, weil sich der Turbomotor kurz vor dem Ziel nach einem kapitalen Defekt entzündete. Auch für ihn ging der Traum vom EM-Gesamtpodium in der Gruppe 1, in der er an 2. Stelle lag, damit womöglich in Feuer und Rauch auf. Es sei denn, er bringt endlich den neuen Mitsubishi wieder in einem Kraftakt endlich an den Start.

Reto Meisel musste durch den zweiten Branddall unmittelbar vor ihm eine zweite Laufwiederholung in Angriff nehmen, die ihn und seinen Mercedes SLK340 an die physische Grenze brachte. Der Judd-V8-Motor verrichtete seine Arbeit aber auch im zweiten Lauf so gut wie der Fahrer, und so durfte sich der Schweizer über einen weiteren Kategorie-1- und Gruppe-1-Sieg freuen, wenngleich er (wie ich) das Schicksal seiner direkten Konkurrenten bedauerte. Der einzig verbliebene Gruppe-1-Gegner Lucio Perrugini auf Ferrari 296 (Sieger EM-Lauf Trento-Bondone 2025) belegte mit 4,6 sec. Abstand den zweiten Platz.

Nach Villas Gruppenwechsel waren die zuvor gegenüber dem BRC-Prototyp benachteiligten Porsche 992 Cup unter sich. Kevin Raith (AUT) führte die Gruppe-2-Wertung dank seiner Regelmässigkeit mit zwei Siegen beim Heimrennen am Rechberg und bei Lauf 4 in Ecce Homo (wo Villa ausschied) schon vor Italien an und baute die Führung dank eines weiteren Triumphs und Villas Ausfall deutlich aus. Weil der zuvor auf Zwischenrang 2 gelegene Villa nun weg vom Fenster ist, und ausser Pechvogel Perekovič die hinter ihm gelegenen Gegner nicht anwesend waren, hat auch Raith nun gute Chancen auf den Titel in seiner Gruppe und einen Medaillenrang in der EM-Kat. 1 über alle Gruppen.

In der Gruppe 3 liess sich der Tscheche Marek Rybniček im Skoda Fabia RS Rallye zum Sieger küren, in der Gruppe 4 der Kroate Matija Jurišić im Peugeot 308 TCR, beide zum wiederholten Male. Die Podestplätze neben Matija belegten Sohn und Vater Bicciato aus Südtirol. In der EM-Tabelle führt nun Meisel (140) vor Jurišić (129), Raith (120) und Rybnićek (115), die alle auch ihre Gruppenwertungen anführen. In der reinen Performancewertung liegt Meisel wie auch in der Gruppe 1 weit voraus.

von Peter Wyss