St. Ursanne-Les Rangiers - Tag der Überraschungen
ST. URSANNE (pwys) Spannender kann Bergrennsport nicht sein – beim je drittletzten EM- und Schweizer Meisterschafts-Lauf im Jura, leider auf Kosten von Robin Faustini. Der Vorjahressieger rückte nach der deutlichen Bestzeit von 1:43,17 am langen heißen Trainingstag wiederum in die klare Favoritenrolle.
Doch im Verlauf seines ersten Rennlaufs unterbrach der EMAP-Turbomotor im Heck des Nova Proto aufgrund eines Lecks im Kühler, worauf Wasser die Elektronik störte, plötzlich seinen Dienst. So summierte sich der Zeitverlust auf die Spitze auf 15 Sekunden, womit die seit 19 SM-Läufen bestandene Siegesserie unterbrochen war. Mit Gesamtrang 10 und Platz 4 in der SM-Wertung ist der dritte Titel dennoch zum Greifen nah!
Und somit war auch klar: In Abwesenheit von Christian Merli und Marcel Steiner musste es beim 81. Int. Bergrennen St. Ursanne-Les Rangiers einen neuen Tagessieger geben. Mit Kevin Petit (F), Joseba Iraola Lanzacorta (E), Joël Volluz und Victor Darbellay lagen vier Fahrer mit 1:43er-Zeiten nach Lauf 1 innerhalb von sechs Zehnteln voraus. Auch der wie Darbellay mit einem kleinen 1170er-Turbosportwagen beherzt angreifende Michel Zemp lag mit einer Sekunde Rückstand auf den schnellsten Schweizer noch in Schlagdistanz aufs Gesamtpodium. Im zweiten Durchgang vermochte sich Petit als einziger EM-Pilot auf eine 1:42er-Zeit zu verbessern, womit sich der Franzose den ersten Saisonsieg in der EM sicherte.
Speziellen Applaus verdient auch Darbellay, der im zweiten Sprint über sich hinauswuchs und mit einer unfassbaren 1:42er-Zeit seinen eigenen Zweiliter-Sportwagenrekord vom Vormittag nochmals unterbot. Die Belohnung ist der zweite Gesamtrang (mit einem 1175-ccm-Turbomotor!) vor Iraola, Volluz und Zemp und der erste Tagessieg in der Schweizer Wertung. Chapeau !!!
Bei den Tourenwagen ging der Gesamtsieg erwartungsgemäß und überlegen an Reto Meisel im Mercedes SLK340 V8. Nach technischen Problemen im Training und einer 2. Laufzeit knapp über den Vorjahres-Rekordzeiten waren die 25 EM-Punkte wohlverdient, auch wenn sie mithilfe vom ungeteilten Nicolas Werver im Porsche GT3R und Landsmann Roger Schnellmann im Mitsubishi als Klassenfüller zustande kamen.
Weil sich Schnellmann versehentlich nur für die EM-Wertung anmeldete, wurde Ludovic Monnier für seine Klassenrekordzeiten im VW Golf Turbo mit dem Schweizer E1-Gruppensieg und 25 SM-Punkten belohnt, weil Werver als Franzose nicht zählt.
Ebenfalls 25 SM-Punkte erkämpfte sich „Speedmaster“ (Foto unten) für den Sieg in der Gruppe InterSwiss. Statt den Ford Escort Cosworth fuhr der Berner einen von Roger Waber geliehenen Porsche 997 GT3 R, der bisher nur bei internationalen Rundstreckenrennen im Einsatz war (1. ADAC GT Masters 2013) und für Bergrennen eigentlich ungeeignet ist. Aber der Multichampion steigerte sich von Lauf zu Lauf und ist nun unter Berücksichtigung eines Streichresultats mit 95 Punkten neuer Tabellenleader bei den TW. Brutto liegt nur noch IS-2-Liter-Sieger Stephan Burri im VW Scirocco (99 Pt.) vor ihm.
Text und Fotos von Peter Wyss
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