Bergrennen in Deutschland

Strasser forderte im Corrado den haushohen Favoriten heraus

EICHENBÜHL (hes)  Das war ein denkwürdiger Rennsonntag beim 57. AvD-Bergrennen Eichenbühl im schönen Unterfranken. Denn die ersten Rennfahrer brausten kurz nach 8 Uhr ab, doch bis der erste Rennlauf letztendlich durchgezogen war, zeigte die Uhr schon nach 13 Uhr. Die Reanimations-Rettung eines kollabierten Zuschauers zog eine Unterbrechung von eineinhalb Stunden nach sich. In der Folgezeit öffnete der Himmel seine Schleusen, was den Rennverlauf fast auf den Kopf gestellt hätte.

Die Tourenwagen-Piloten konnten im Trockenen Vollgas geben, während die Sportwagen-Konkurrenz die A-Karte gezogen hatte. Dieses Missverhältnis machte zuerst den Schweinfurter Georg Lang im PRC-Prototypen zum Opfer, der sich ausgangs der Schuttplatzkurve drehte. Ein paar Minuten erwischte es an gleicher Stelle Alexander Hin im Osella 30, für den mit gebrochenem Frontspoiler Feierabend war (siehe unser YouTube Video). Das führte zu dem verrückten Zwischenstand, dass Tourenwagen-Pilot Thomas Strasser nach Lauf eins mit vier Sekunden Vorsprung vor dem haushohen Favoriten Patrik Zajelsnik in Front lag. Längst war klar, dass es eng werden würde und Rennleiter Steffen Hofer entschied frühzeitig, dass es wegen der Zeit-Inflation keinen dritten Lauf mehr geben würde. Die Tourenwagen-Armada fand im zweiten Lauf eine noch feuchte Strecke vor, während Patrick Zajelsnik und Benjamin Noll im Osella FA 30 auf dem letzten Drücker auf Slicks umdisponierten. Auf abtrocknender Strecke markierte Zajelsnik die Tagesbestzeit und Benjamin Noll sicherte sich mit Rang drei noch einen Podestplatz. Der Österreicher Thomas Strasser legte nach und verbuchte mit Gesamtrang zwei den größten Erfolg seiner bisherigen Laufbahn. „Ich habe trotz des Regens noch an einen Sieg geglaubt“, bekannte Zajelsnik nach seinem fünften Gesamtsieg im Erftal. Er habe sich starker Konkurrenz gegenüber gesehen, doch hätten sich manche selbst ins Aus geschossen. Der 45-jährige hat ein schweres Jahr hinter sich mit dem Tod seines Bruders Alexander Zajelsnik und der schweren Herzkrankheit seines Vaters Josef Zajelsnik, „der inzwischen wieder stabil ist“, wie der Gesamtsieger bekundete. Jetzt will Zajelsnik noch im belgischen Saint-Celile den luxemburgischen Meistertitel einfahren, zum Leidwesen von Tommy Rollinger, der in Eichenbühl mit Regenreifen auf Rang 17 zurückfiel.

Hinter Strasser war der Luxemburger Charles Valentiny im allradgetriebenen Subaru Impreza zweitschnellster Tourenwagen-Pilot vor dem Finne Mikko Kataya im Toyota Starlet. Im 25. Jubiläumsjahr des NSU-Bergpokals fuhr der Burgebracher Jannik Hofmann wie erwartet des Klassensieg ein. Nach einem Patzer im ersten Lauf musste Bastian Voss in der Konkurrenz der Formel3-Boliden Marco Lorig den Vortritt lassen. Derweil war Michael Bodenmüller im Norma M20FC in der Zwei-Liter-Klasse der Sportwagen nicht zu schlagen. Der Miltenberger Daniel Winkler in seinem Audi RS3 TCR durfte sich als Pacemaker in der Klasse 13 feiern lassen. Fabian Brügge setzte ich BMW 325 seinen Siegeszug fort und strebt dem DM-Titel entgegen. Eine Duftmarke setzte der zweitplatzierte Alexander Reder, denn der Oberelsbacher kam im BMW 318 im zweiten Lauf bis auf eine Sekunde an Brügge heran. Als Klassenfünfter vermochte sein Club- und Markes-Kollege Hannes Menninger aus Hohenroth ebenfalls zu überzeugen.  

In Eichenbühl ließ sich mehrere namhafte Gäste blicken. Robin Faustini hatte in Oberhallau seinen dritten Bergmeistertitel der Schweiz perfekt gemacht, war als Zaungast nach Eichenbühl gekommen und er ließ anklingen hier irgendwann Gas geben zu wollen, wenn es sich terminlich einrichten lässt. Mit Lokalmatador Norbert Brenner im Opel Vectra und dem Kitzinger Klaus Hoffmann im Opel Astra hatten sich zwei ehemaligen Tourenwagen-Bergmeister überzeugen lassen, zu Demo-Fahrten in ihren ehemaligen DTM-Boliden anzutreten.

von Hartmut Hess