Champion im NSU Prinz sucht Prinzessin
BURGEBRACH (hhess) Das war ein Finale furioso beim Bergrennen in Mickhausen, dem Halali der Deutschen Automobil-Bergrennmeisterschaft. Doch für Jannik Hofmann aus dem oberfränkischen Burgebrach war es nur noch eine Pflichtaufgabe, in einem NSU TT „Prinz“ sein Meisterstück in der Tourenwagen-Division perfekt zu machen: Punktgleich mit Senkrechtstarter Fabian Brügge im VW Golf fuhr der erst 23-Jährige seinen ersten DM-Titel ein und verbuchte damit einen historischen Erfolg, war es doch 52 Jahre her, dass ein Bergrennsportler mit der Marke NSU nationaler Champion geworden war
Jannik Hofmann profitierte von dem Material und Können seines Vaters Steffen Hofmann und von der Reglements-Änderung für die Deutsche Meisterschaft. Steffen Hofmann dominiert den NSU-Bergpokal seit fast einem Vierteljahrhundert, mit Ausnahme zweier Jahre wegen anderen Vorhaben hieß der Sieger des NSU-Bergpokal seit 2004 immer Steffen Hofmann. Für dieses Jahr hatten die Verantwortlichen im Deutschen Motorsportbund und dem Berg-Cup e.V. als Promoter die DM auch für die NSU-Sonderwertung geöffnet und der für den MSC Rhön fahrende Jannik Hofmann packte die Chance beim Schopf. Um möglichst viele Klassensiege einfahren zu können, tauschten die Hofmanns ihre Renner und Jannik Hofmann führ im 1a-Auto mit der Startnummer 710 der Konkurrenz auf und davon. Er gewann seine Klassen ebenso souverän wie der Golf-Fahrer Fabian Brügge aus Ibbenbüren und mit der exakt gleichen Punktzahl wurden sie zu Tourenwagen-Champions gekürt. Dank der professionellen Teamarbeit mit dem Vater Steffen und der Mutter Silke Hofmann klappte alles bestens. Beim Pressegespräch auf weitere Ziele angesprochen, überlegte Jannik Hofmann und dann grätschte Silke Hofmann dazwischen: „Das Rennauto ist vorhanden und den DM-Titel hat er gewonnen, jetzt soll er sich nur noch eine Frau suchen“. Das bedeutet ganz einfach: ein Prinz aus Oberfranken sucht eine Prinzessin.
Der 23-Jährige war an den Rennstrecken aufgewachsen, bis er volljährig war, hatte er aber Fußball gespielt. Damals war es noch ein Traum, auch Bergrennen zu fahren, doch erst sein Opa Gerhard Hofmann hatte ihn im Jahr 2022 entscheidend davon überzeugt, den Traum des eigenen Fahrens zu realisieren. Die Hofmanns bauten binnen weniger Wochen den Dienstwagen für Jannik auf, damit der erkrankte Opa ihn noch fahren sehen könnte. Tatsächlich startete der Industriekaufmann zum Saisonstart in Schotten, doch der Opa konnte ihm dann nur noch aus dem Himmel zuschauen, da er kurz vor den Rennwochenende verstorben war. Gleich in der Premierensaison feierten Vater und Sohn wenig überraschend wieder den Sieg im NSU-Bergpokal.
Die Familienbande harmoniert perfekt und das technische Know-How und fahrerische Können von Steffen Hofmann bilden eine im wahrten Sinne des Wortes unbezahlbare Basis. Denn der Kfz-Lackierer, der einst im Motorsport auf zwei Rädern mit Moto-Cross begonnen und sich dort bei einem Abflug die Schulter demoliert hatte, ist seine eigene Werkstatt. Deswegen sind die Ausgaben im Hause Hofmann kalkulierbar. Das hat auch damit zu tun, dass die Technik im fast schon antiken NSU Prinz überschaubar ist und keine High-Tech-Software vonnöten ist. Auf vier Rädern hatte Steffen Hofmann einen Prinzen in einem Stock-Car-Rennen geplagt, erst 1990 feierte er in Eichenbühl seine Premiere am Berg. Ein Jahr später gehörte er zu den Gründervätern des NSU-Bergpokals. Im alten Jahrtausend pausierte er eine Saison wegen dem Hausbau und in einem anderen Jahr ging er in einem 3er-BMW fremd. „Nach der Corona-Zwangspause war ich fast weg von der Droge Bergrennen“, verrät der 54-Jährige, der für den AC Schweinfurt fährt. Er hat es seinem Sohn vorgelebt, sich der Perfektion hinzugeben. Das bedeutet, dass sie ihre Prinzen auf jedes Rennen individuell präparieren. Ihre raren Renner haben Triebwerke, die aus 1300-Kubikzentimeter 140 PS schöpfen und damit einen Top-Speed von 170 Km/h erreichen. Sie können noch auf die Motoren-Expertise von Jörg Davidovic (Fränkisch Grumbach) und Hans Einfalt (Heilbronn) bauen
Besonders dankbar sind Steffen und Jannik Hofmann ihrem Arbeitgeber Phoenix Reisemobile aus Aschbach mit der Besitzerfamilie Schell. „Dass wir problemlos bestimmte Tage frei bekommen für die Rennen, das wissen wir sehr zu schätzen“, betont Jannik Hofmann. „Der Bergrenn-Zirkus ist unser Leben und wir haben mit Kollegen und deren Familien manche Freundschaften geschlossen“, sagt Silke Hofmann. Und die Freundschaften gehen teilweise so weit, dass sie sogar zusammen in Urlaub fahren.
von Hartmut Hess
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