Plasa-Weggefährte Alfred Hilger verstorben
LENGDORF (thb) Am 16. Februar 2025 verstarb völlig unerwartet Alfred „Fredi“ Hilger im Alter von 64 Jahren. In seinen Anfangsjahren bei Bergrennen, war der KfZ-Meister und BMW-Spezialist aus Lengdorf (Landkreis Erding) sehr oft mit Georg Plasa unterwegs. Später hieß einer seinen engeren Freunde Jörg Weidinger. 2004 stellten die Beiden für das BMW-Werk mehrerer Weltrekorde für Wasserstoff-Fahrzeuge auf. Zuvor, von 1987 bis 1995 war Hilger bekannt mit seinem weinroten BMW 2002 16, quasi dem Spiegelbild des hellblauen Plasa „02ers“. Ab 2006 war der Mann vom MSC Isen mit dem rot-weißen BMW M3 E36 Team-Kollege und Unterstützer von Jörg Weidinger bei seinem EBM-Titel.
Hier ein paar persönliche Zeilen von Jörg Weidinger:
Alfred „Fredi“ Hilger war eigentlich zu gut für diese Welt. Er hat versucht, allen und jedem zu helfen, was ihm vor allem mit seinem unglaublichen Schraubertalent auch in ausweglos scheinenden Situationen oft gelang. Gern hat er dann lieber anderen geholfen, als dass er ausgeruht und rechtzeitig selber am Start stand.
Bei unserem Wasserstoff-Weltrekord mit dem BMW H2R in 2004 war er als einziger von uns drei Fahrern nicht „nur“ Fahrer, sondern er kannte gleichzeitig das Auto und die Technik am besten, war immer vorne dran, hat immer noch gekämpft und gebastelt, wenn andere schon lange mit der Standardreaktion beschäftigt waren, Schulterzucken und trauriges Gesicht zu machen. Dass er dann mit schmutzigen Händen und einem ebensolchem Overall in’s Auto sprang und schnell fuhr, war bezeichnend für sein Multitalent.
Im Jahr 2005 auf dem Weg zu meinem ersten EBM-Titel hat er zu Saisonmitte nicht lange gefackelt, als Georg Plasa die Idee gebar, den tschechischen Mitbewerbern doch in der Gruppe A einen starken Konkurrenten vor die Nase zu setzen, um ihnen Punkte zu klauen. Und wer wäre da besser geeignet gewesen als unser gemeinsamer Freund Fredi und sein Rundstrecken-BMW M3 E36 Gruppe A. Er machte das Auto in Rekordzeit rennfertig (das Gerät war im Gegensatz zu anderen Autos zu 100% regelkonform) und trat in der Slowakei mit wirklich alten Reifen an, um den arrivierten Fahrern zu zeigen, zu was man mit intuitivem Talent und keiner Angst in der Lage ist. Dass er dann (wieder) Gefallen an Bergrennen fand, war für mich umso schöner und wir erlebten auch in der Folgezeit einige wirklich schöne Reisen zu EBM-Läufen miteinander.
Was viele Bergrennfahrerkollegen vielleicht nicht wissen, dass er auch auf der Rundstrecke (meist im Gespann mit dem ebenso bereits verstorbenen Münchner Dieter Steinlein) in den 90er/2000er Jahren als H&S-Motorsport oder Steinlein Motorsport eine echt große Nummer abzog. In der „Serie Internationale Groupe N“ waren sie mit selbst aufgebauten, absolut konkurrenzfähigen BMW M3 E36 (auch mal Z3 M roadster) weit vorne dabei, oft mit eingemieteten Fahrerkollegen wie Manfred Anspann oder auch Fahrern aus GB, Australien, Neuseeland oder sonstwoher. Zu nennen sind fast alle internationalen Langstreckenrennen wie 24h Spa oder 24h Nürburgring (https://www.racingsportscars.com/…/Alfred-Hilger-D.html).
Ich habe zwar seine frühe Zeit mit dem roten, absolut schnellen BMW 2002 (vor allem im legendären Alpen-Donau-Cup im Gespann mit dem nahezu gleich alten Georg Plasa) nicht miterlebt, aber ich hatte trotzdem viele tolle Erlebnisse mit Fredi, ich habe ihn echt sehr bewundert für seine Ruhe, egal wie hektisch es herging. Er hat immer alles technisch gefixt bekommen, setzte sich ins Auto und fuhr Zeiten, von denen andere selbst in ausgeruhtem Zustand nur träumen konnten.
Geschichten von und mit ihm gibt es da reichlich, denn er war einfach ein echtes Original. Egal ob die komplette Vanos-Einheit des M3-Motors in der Startaufstellung(!!!) des 24h-Rennens am Nürburgring in aller Seelenruhe zu zerlegen und zusammenzubauen (andere bräuchten dafür Tage und völlige Ruhe), ein Pleuellagerwechsel an seinem LKW auf dem Autobahnparkplatz, sein „Training“ für Trento-Bondone 2006, als Georg und ich schon hunderte von Kilometern den echt nicht einfachen Berg hochgefahren waren, er am Sonntagmittag kurzfristig und verspätet doch noch dazukam, zweimal fuhr, die Strecke grob im Kopf hatte und sein einmalig intuitives Talent dann zwei Wochen später im Rennen bewies, oder die Heimfahrt von Spanien durch Frankreich mit herausgebrochener LKW-Windschutzscheibe und Vollvisierhelm im Regen…
Mach’s gut, Fredi! Du hättest definitiv mehr Lebenszeit verdient gehabt!





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